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13.12.09

Cologna: ein Himmelstürmer muss Geduld beweisen

Dario Cologna hat gestern beim Langlauf-Weltcup in

 

seiner Wahlheimat Davos eine Spitzenplatzierung verfehlt. Die Nachwirkungen einer im September erlittenen Verletzung sind wohl gravierender, als zunächst erhofft.

Kurz nach 15 Uhr kam gestern ein erstes Mal Hochstimmung auf im weiten Rund des Davoser Langlauf-Stadions. Unter dem tosenden Applaus der mit Transparenten mit der Aufschrift «Viva Cologna» und  «Super-Dario» angereisten Schweizer Supporter ging Dario Cologna in den mit Einzelstart ausgetragenen Wettkampf über 15 Kilometer in der freien Technik. Die Erwartungshaltung an den letztjährigen Gewinner des Gesamt-Weltcups ist nach dessen Gnadensaison hoch – im Septemer erlittene Muskelverletzung hin, mässige Resultate zum Wiedereinstieg her.

 

Der 23-jährige Bündner ist schliesslich auch an eine der Stätten seines gleichermassen wundersamen wie zügigen Aufstiegs zum erfolgreichsten Schweizer Langläufer aller Zeiten zurückgekehrt. Vor Jahresfrist hatte er auf der Flüelaloipe mit den Rängen 8 (15 km klassisch) und 4 (Sprint) ein erstes Mal das Leadertrikot des Weltcup-Führenden übernommen. Was danach kam, ist längst dick im Geschichtsbuch des Schweizer Langlaufs vermerkt. Cologna triumphierte über den Jahreswechsel an der Tour de Ski und gewann in einem dramatischen Zweikampf mit dem norwegischen Rivalen Petter Northug definitiv die Weltcup-Gesamtwertung.

 

Davos 2009 ist nicht Davos 2008

Schöne Erinnerungen, an denen sich ein Jahr später Läufer, Trainer, Umfeld und Fans etwas aufrichten dürften. Denn Davos 2009 ist nicht Davos 2008, und dies nicht bloss des schlechteren Wetters wegen. Eine Stunde nach Colognas Start ziehen die Zuschauer ab. Sie sind ruhig geworden, während ein Grüppchen von französischen Zuschauern ihre Flaggen angesichts eines überragenden Mannschaftsergebnis enthusiastisch im Schneetreiben schwenken. Im Zielraum versucht derweil Cologna seine Lage in Worten auszudrücken. «Ich brauche jetzt in erster Linie Geduld», sagt der Senkrechtstarter der Vorsaison. Sein aktueller Formstand habe nicht ausgereicht, um auf der selektiven Strecke mit den Besten schrittzuhalten. «In einem Massenstartrennen lässt sich die fehlende Topverfassung eher kaschieren, mit Einzelstart ist dies unmöglich.»

 

Auklands Eklärungen

Am Ende resultierte Rang 31, direkt neben den Weltcup-Rängen. Beim Weltcupauftakt in Beitostölen (Norwegen) war es in der selben Disziplin Rang 20 gewesen. Ein Grund zur Beunruhigung? «Nein», sagt DistanzTrainer Fredrik Aukland, der jedoch eingestand, «dass Dario etwas verunsichert ist und nicht ganz sauber läuft.» Hoffnung auf eine Besserung der Lage machte Aukland ein Blick auf den eingehandelten Rückstand von 1:15 Minuten. «Er ist nicht weit weg von der Weltspitze», urteilte der  Norweger. Sein Schützling habe in den letzten Wochen viel Basistraining nachholen müsssen. Deshalb sei das spezifische Renntraining zu kurz gekommen. Zur Einnerung: Der im September eingehandelte Muskelfaserriss kam ausgerechnet zum kapitalen Zeitpunkt der unmittelbaren Saisonvorbereitung. Die anschliessende mehrwöchige Zwangspause und ihre Folgen sind definitiv noch nicht aufgearbeitet. «Wir ordnen in dieser Saison alles den Olympischen Spielen unter», sagt Aukland. Bis zum grossen Stelldichein der fünf Ringe im Februar in Vancouver/Whistler bleibt Zeit zur Formrückkehr.

 

Neben der Spur läuft es derweil bestens für Cologna, der in der Schweizer Sportszene längst auf einem Sonnenplatz residiert – in Gesellschaft eines Fabian Cancellara oder Didier Cuche direkt eine Etage unter dem Ausnahmeathleten Roger Federer. Die Husarentsücke in der Loipe haben sich auch im Portemonnaie bemerkbar gemacht. Cologna, der noch vor Jahresfrist ohne Management dastand und kaum vermarktet war, prüfte verschiedene Lösungen. Die zuerst angedachte «kleine Variante» zerschlug sich. Marc Biver erhielt im zweiten Wahlverfahren den Zuschlag und bescherte seinen prominenten Klienten vor Weihnachten mit zwei Werbekontrakten mit den Firmen Hublot (Uhren) respektive Winforce (Sportlernahrung). In Kanade kann der Wert der «Marke Cologna» nochmals in die Höhe getrieben werden. Eine Medaille war und ist das Ziel.

 

 

 

 

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